Assen Läufe 6 & 7
Nach nur ein paar Tagen Pause zu Hause ging es für uns ...
...
zum nächsten Rennen in Assen. Jetzt ging es Schlag auf Schlag! Zuerst in Schleiz und jetzt zwei Wochenenden nacheinander in den Niederlanden. Beim ersten Event waren wir bei den Gamma Racedays zu Gast, welche mir vorher unbekannt waren, sich dann jedoch als „mega-Event“ entpuppten. Unsere Anreise begann am Donnerstagabend, da wir erst am Samstag auf die Strecke durften. Am Freitagnachmittag trafen wir dann bei der beeindruckenden Anlage in Assen an. Wie immer erwartete uns Micha mit seinem Scooter am Eingang, gab uns die Karten und schleuste uns zum Stellplatz. Wir bauten alles auf und bereiteten uns auf den morgigen Angriff vor. Da unser Fahrwerksmann Torsten auf dem Wacken Festival war (Daumen hoch für seinen Musikgeschmack), wurden wir von Laslo betreut. Noch am selben Abend riet er uns, die Geometrie des Bikes komplett umzustellen. Da viele Leute nur das Beste von ihm hielten, beschlossen wir, es zu probieren. Bis spät in die Nacht schraubten Papa und Micha am Fahrwerk, um mir das bestmögliche Paket für morgen bereitzustellen.
Am Samstag ging es für uns schon sehr früh los. So machte ich mich um 6 zu einer kurzen Jogging-runde auf, um mich einzustimmen und wach zu werden. Es war leicht bewölkt, aber trocken und die Temperaturen waren angenehm. Nachdem ich mich auf die Strecke eingeschossen hatte, meine Linie und Fahrtechnik nach Plan eingeprägt hatte fuhr ich im letzten Umlauf eine flotte Zeit, die mich auf Platz 10 brachte. Ich hatte ein gutes Gefühl auf dem Bike, die Fahrwerksumstellung hatte sich also durchaus gelohnt. Ich musste mich zwar zuerst darauf einstellen, aber ich hatte ein viel besseres Gefühl zum Motorrad und zum Grenzbereich. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Laslo und Torsten, die uns wirklich immer sehr helfen, das Maximum rauszuholen und an meine Mechaniker, die ebenfalls alles geben! Dazu sah ich noch viel Potenzial und mit Platz 10 war ich schon mal nicht schlecht aufgestellt. Gegen Mittag ging es mit dem ersten Qualifying weiter. Ich war top motiviert und wollte die identifizierten Potenziale ausschöpfen. Doch gerade als ich zur Boxengasse fuhr, sah ich plötzlich Regentropfen auf meinem Visier. Ich fuhr mit besonderer Vorsicht raus und bereits auf der Gegengerade sah ich die Regen-Flaggen. Es begann stärker zu regnen und ich nahm sofort Tempo raus. Als ich die Grip-Verhältnisse mit meinem Fuß testete, erschrak ich kurz, da es einfach a****glatt war. Da bei den Gamma Racedays hauptsächlich Autos fahren, war enorm viel Gummi auf der Strecke, welche sie im Nassen extrem rutschig macht. Ich fuhr mit großer Vorsicht zur Box zurück und entschloss mich dazu, nicht mehr rauszugehen. Re-genreifen wären sofort kaputt gegangen, da zu wenig Wasser auf der Strecke war und mit Trockenreifen ist es viel zu rutschig. Also warteten wir auf Q2, um nochmal richtig anzugreifen. Es hatte auch schon wieder aufgehört zu regnen und die Strecke war trocken. Ich fuhr raus und war gleich zu Beginn schnell. Als mich mein österreichischer Konkurrent Andreas Klammbauer, der meistens sehr weit vorne zu finden ist, überholte, konnte ich dran bleiben und eine sehr schnelle Runde fahren. Ich kam nochmal in die Box und Papa sagte mir, dass ich auf Platz 5 lag! Ich fuhr gleich nochmal raus, um nochmal zu pushen, konnte dann aber nicht mehr schneller fahren und wurde bis auf Platz 10 zurückgereiht. Das war mein bester Startplatz in der heurigen Saison und ich wusste, dass im Rennen viel möglich ist! Mein Plan für morgen stand, wir bereiteten alles für das Rennen vor und machten uns einen gemütlichen Abend.
Am Sonntagmorgen war alles bereit für das Rennen mit der bisher besten Ausgangsposition der Saison. Ich spulte mein Programm mit Frühsport, Frühstück und Vorbereitung ab und war top motiviert. Die Gamma Racedays zogen ein gewaltiges Publikum an! Am Sonntag war von 90.000 Zuschauern die Rede! Die Tribünen waren nahezu komplett besetzt und es war eine Wahnsinns Atmosphäre! Als es in die Aufwärmrunde ging, hatte ich keinen optimalen Startversuch, da mir das Vorderrad stieg und ich vom Gas musste. Als es dann ernst wurde und die Ampeln ausgingen brachte ich es erneut nicht optimal hin! Ich ließ die Kupplung zu schnell los und das Vorderrad baumelte sich auf. So viel ich gleich ein paar Positionen zurück und es lief schon alles andere als optimal. Ich hatte mich dann auf Platz 12 einsortiert und war in einer Kampfgruppe, die bis Platz 8 ging. Ich sah, dass sich keiner absetzen konnte und die Gruppe eng beisammen blieb, also hielt ich mich noch etwas zurück und studierte meinen Vordermann. Als ich dann sah, dass sich Leon vorne etwas frei fuhr und sich Dennis und Jan langsam von meinem Vordermann Toni absetzten, wusste ich, dass ich sofort an ihm vorbei musste, allerdings fand ich erst nach zwei Runden eine Lücke, um reinzustechen. Mit zwei sehr schnellen Runden schloss ich dann die Lücke zu Dennis und Jan, aber Leon hatte sich schon zu weit abgesetzt. Jetzt ging es um den 9. Platz. Zwei Runden vor Schluss war ich wieder komplett dran und überlegte mir, wie ich die zwei noch knacken kann. Wir schenkten uns überhaupt nichts und ich sah nirgendwo wirklich einen Vorteil. In der letzten Runde wusste ich, dass ich einen in die letzte Schikane rein attackieren kann, aber beide sind unmöglich. Also versuchte ich an Dennis im mittleren Streckenteil vorbeizukommen. Ich versuchte mich beim Umlegen von links nach rechts vorbei zu bremsen, aber er konterte und ich hatte immer noch beide vor mir. Es ging auf die letzte Schikane zu, wo Dennis Jan innen attackierte und so einfach keine Lücke mehr für mich übrig blieb. So musste ich mich mit dem 11. Rang zufriedengeben. Damit war ich nicht zufrieden, aber die Zeiten die ich während des Rennens fuhr ließen viel zu hoffen übrig für das nächste Wochenende.
Anschließend begannen wir mit dem Zusammenpacken, bis Micha uns informierte, dass Dani Pedrosa gerade eingeflogen worden sei. Er sollte nämlich ein paar Demonstrationsrunden auf seiner Honda drehen. Also gingen Ken, Micha und ich vor in die Boxengasse und warteten auf den MotoGP-Star. Nach langem Warten traf er ein und beriet sich mit seinem Mechaniker fünf Meter vor uns. Dann drehte er seine Runden und das Publikum flippte nahezu aus! Als er wieder in die Box kam, machte Ken noch ein Foto mit ihm und Micha bekam sein Autogramm. Anschließend fuhren wir nach Lauwersoog (Nordsee) an einen Campingplatz, wo wir die Pause zwischen den beiden Läufen verbrachten. Dort war es abartig kalt, windig und regnete immer wieder! Trotzdem hatten wir einen angenehmen Aufenthalt. Auch wurden wir von Martin Schelling begleitet, welcher der Mechaniker eines anderen Cup-Fahrers, ein alter Bekannter von Micha und ein Uhrgestein im Rennsport ist.
Am Donnerstag brachen wir bei 10°C und regen erneut nach Assen auf. Am Campingplatz hatten wir nochmals genau die Daten und Videos analysiert und jetzt lag es daran, die neuen Erkenntnisse umzusetzen. Den Abend verbrachten wir eher im Wohnmobil, da es draußen sehr unangenehm war.
Am Freitag standen diesmal drei freie Trainings auf dem Programm. Zu Mittag ging es mit dem Ersten los und die Bedingungen waren nicht ganz eindeutig. Es hatte bereits den ganzen Vormittag über leicht genieselt und die Strecke war vom Vortag noch nass. Etwa eine Stunde vor unserem Training hatte es aufgehört zu regnen und die Ideallinie war nun trocken. Ich schaute mir die Bedingungen erstmal vorsichtig an, merkte aber bald, dass man eigentlich schon sehr schnell fahren kann. Die Curbs waren noch teilweise nass, diese sollten also vermieden werden. Ich kam gleich super zurecht und konnte meine geplanten Veränderungen gut umsetzen. Trotz der erschwerten Bedingungen fuhr ich bereits eine Zeit, die nur sieben Zehntel langsamer war als meine Bestzeit vom vergangenen Wochenende. Damit lag ich auch gleich einmal auf Platz 5! Damit war ich sehr glücklich, aber ich wusste auch, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Im zweiten Training war es dann komplett trocken und man konnte richtig attackieren. Das tat ich auch, und zwar wie noch nie zuvor! Ich fuhr eine, um sieben Zehntel schnellere Zeit, als ich hier je gefahren hatte und war voll in meinem Element! Außerdem testete ich erstmals meinen Ellbogenschleifer! Diese Zeit brachte mich dann auf Platz 4! Damit war ich jetzt tatsächlich bei den Top-Fahrern angekommen! Im FP3 attackierte ich nochmals gewaltig und war voll am Limit! Nach ein paar Runden überholte mich Dominik Rubin, einer der schnellsten Fahrer im Cup, und ich konnte voll an ihm dranbleiben. Er nahm mir in manchen Passagen ein paar Meter ab, aber die holte ich in anderen wieder auf. Schlussendlich fuhr ich nochmal um 6 Zehntel schneller und landete erneut auf Platz 4! Nach diesen Trainings war ich natürlich überglücklich und freute mich riesig, aber wusste auch, dass die anderen Fahrer im Qualifying wahrscheinlich noch ein paar Zehntel finden werden. Nachdem wir alles für den morgigen Tag vorbereitet hatten, schmiss Papa den Grill an und wir hatten einen feinen Abend.
Am Samstagmorgen zählte es dann wirklich. Das Qualifying stand bevor. Nach dem standardisierten Morgenritual machte ich mich für das erste Outing bereit. Als ich rausfuhr kam ich nicht so gut mit dem Schalten klar, da wir den Schalthebel neu montieren mussten. Also fuhr ich, nachdem ich keine schnelle Runde hinbekommen hatte, an die Box und Micha verstellte die Position des Hebels, was einige Minuten dauerte. Jetzt hatte ich noch in etwa acht Minuten, um eine schnelle Runde rauszuhauen. Ich kam wieder besser zurecht, aber konnte nicht ganz die Zeit vom Freitag fahren. Ich lag zwei Zehntel hinter meiner persönlichen Bestzeit vom FP3 auf Platz 7. Ich wusste, da geht noch mehr und ich kann zumindest auf Platz 4 fahren! Nachmittags im zweiten Quali ginge es dann um alles! Das Set-Up passte, ich wusste, was ich zu tun habe und es konnte losgehen. Ich hatte zu Beginn etwas viel Verkehr und konnte keine Runde wirklich durchziehen. Dann hatte ich zwei, drei freie Runden, überfuhr das Bike dann allerdings etwas und wurde nicht schneller. Eine Runde passte dann einigermaßen und ich war bei derselben Zeit, wie im FP3 angekommen. Dann war ich auf einer super schnellen Runde unterwegs, wurde dann aber erneut aufgehalten und konnte nicht durchziehen. Dieses Problem hatte ich dann noch mehrmals und ich wurde nicht mehr schneller. Insgesamt lag ich damit auf der 8, was die dritte Startreihe bedeutete. Zuerst war ich sehr enttäuscht bzw. etwas wütend, da ich immer aufgehalten wurde, aber es war immerhin der beste Startplatz der Saison und auf die vierte Position fehlten mir nur drei Zehntel. Mit einem guten Start und einem starken Rhythmus war fürs Rennen viel drin! Nachdem ich mich wieder total besinnt hatte, bekochte uns Micha mit seinen berühmten Schinken-Sahne Nudeln und wir genossen den Abend.
Am Sonntag startete das Rennen erst gegen Mittag. Dieses Mal besuchte uns Sarina (wie auch schon am Nürburgring) in der Startaufstellung und sorgte für das perfekte Image. Als die grüne Flagge geschwenkt wurde und es in die WarmUp-Runde ging, funktionierte mein Start perfekt und ich war voll eingeschossen auf den Rennstart. Als die Ampeln um 13:20 Uhr ausgingen bekam ich den Start erneut perfekt hin und schoss gleich in die nächste Reihe vor! Dort wurde ich dann allerdings zwischen zwei Fahrern eingezwängt und musste vom Gas gehen. Dabei überholten mich ein paar andere Fahrer und ich kam auf P8 in die erste Kurve. Ende der Gegengerade konnte ich dann an Leon vorbeigehen und mir Platz 7 schnappen. Nach der ersten Runde war ich voll an meinem Vordermann dran und die Gruppe reichte bis zum ersten Platz vor! Doch dann bremste ich in Kurve zwei etwas zu spät und mehrere Fahrer gingen vorbei. Und nun begannen die Probleme! Ich kam mehrmals von der Strecke, weil ich einfach zu aggressiv fuhr! So fuhr ich die meiste Zeit mit einem etwa zwei Sekunden-Abstand auf die Gruppe vor mir, die um Platz vier Kämpfte und nach hinten hatte ich viel Luft. Gegen Rennende hatte ich mich dann gefangen und konnte die Lücke zur Gruppe schließen. Dabei fuhr ich in einem Umlauf die schnellste Runde im gesamten Fahrerfeld! Dann überholte ich in der zweitletzten Runde zwei Mann der Gruppe und lag auf Platz 8. Dann kämpfte ich mit meinem Schweizer Konkurrenten Timo Kugler um die nächste Position, aber er machte sich sehr, sehr breit! Ich kam die ganze letzte Runde nicht an Timo vorbei. In der letzten Schikane probierte ich es außen, aber er hatte einfach die bessere Linie. So kam ich auf Platz 8 ins Ziel, mit nur 1,4 Sekunden Rückstand auf Platz 4! Obwohl dies das bisher beste Saisonergebnis war, ärgerte ich mich grün und blau über meine Fehler zu Beginn des Rennens! Platz vier wäre mehr, als nur „drin“ gewesen!
Obwohl mich das Ergebnis nicht erfreute, war es ein unglaublich wichtiges Wochenende! Ich habe einen riesen Schritt gemacht und kann nun um Spitzenpositionen mitkämpfen! Jetzt steht nur noch ein Rennen auf dem Programm: Das Saisonfinale in Hockenheim! Nächste Woche gehen wir noch einmal dort hin, um zu trainieren und sobald am 23. September die Ampeln am Ende der Boxengasse auf Grün schalten und das Visier zu ist, gibt es nur noch eines: VOLLGAS!
Jan #55
Grossanzeige - Bild anklicken
Videolänge: 7:28 Minuten
Was hältst Du von diesem Artikel?
Sende uns eine Rückinfo




