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Doppellauf in Zolder

Nach einer langen Pause ging es endlich ...

...zur nächsten Rennveranstaltung ins belgische Zolder. Ich hatte mir nach dem neunten Rang auf dem Nürburgring und einem tollen Test in Hockenheim viel vorgenommen und war höchst motiviert. Ich und Papa reisten am Donnerstag an, Micha und Manu waren bereits lange zuvor eingetroffen (wie immer) und Mama, Ken und Cousin Lennart reisten am Freitag mit dem Flugzeug an. Es war gutes Wetter vorausgesagt alle waren bereit.
Am Freitagmorgen mussten wir bis nach der Mittagspause warten, bis wir endlich raus durften. Nach meiner morgendlichen Joggingrunde ging ich meinen Plan mehrmals durch und die Vorfreude stieg. Um 13:35 Uhr gingen die Ampeln an der Boxenausfahrt aus und los ging es. Ich brauchte etwas Zeit, um mich auf die schwierige Strecke in Zolder einzustellen. Allmählich kam ich aber besser und besser zurecht und hatte extrem viel Spaß. Die Strecke ist mit ihren Besonderheiten atemberaubend, wenn man z.B. mit 200 km/h in Schräglage über eine Kuppe fliegt und das Vorderrad abhebt! Die Strecke ist technisch extrem anspruchsvoll, erfordert enorme Präzision und ist außerdem verdammt anstrengen! Am Ende belegte ich in FP1 den 15. Rang, womit ich nicht zufrieden war, aber aufgrund der neuen, sehr anspruchsvollen Strecke leben konnte. Nach einer kurzen Pause ging es am Nachmittag mit dem zweiten freien Training weiter. Gleich zu Beginn wurde unser Training aufgrund mehrerer Stürze abgebrochen. Anschließend konnte ich meine Zeit etwas verbessern, bekam aber noch keine wirklich schnelle Runde hin. Aufgrund des Abbruches blieb uns nun weniger Zeit und ich verpasste die optimale Zeit für meinen kurzen Boxenstopp. So blieb mir nach dem (zu späten) Stopp nur noch eine Runde, aber diese erwischte ich ziemlich gut und sie spülte mich auf den 13. Platz nach vorne. Ich war immer noch nicht ganz zufrieden, aber es war schon einmal ein Fortschritt gegenüber dem ersten Training. Da ich sehr mit dem Motorrad zu kämpfen hatte und viel Unruhe in meiner Fahrweise war, beschlossen wir, eine härtere Feder einzubauen, was meine Mechaniker bestens erledigten. Am Abend ging ich nochmals die Strecke ab und fachsimpelte etwas mit meinem Konkurrenten Moritz Jenkner. Wir schmissen den Grill an und der Rest der Familie traf auch ein.
Am Samstagmorgen ging es etwas früher los. Ich hatte mir durch die Fahrwerksveränderung und andere Verbesserungspotenziale viel erhofft und war sehr motiviert. Das Wetter war nach wie vor gut und es wurde schon allmählich heiß. Als es auf die Strecke ging, wurden meine Erwartungen an das Fahrwerk sofort bestätigt und ich kam viel besser zurecht! Nach nur drei Runden hatte ich meine Zeit um eine Sekunde verbessert. Anschließend kam ich kurz an die Box, um mich nochmal zu sammeln und einen Schluck zu trinken. Ich fühlte mich super und wollte nun die totale Attacke reiten und mich weit nach vorne arbeiten. Als ich wieder auf die Strecke fuhr, ging mein Plan leider nicht auf. Ich hatte viel Verkehr und kam auf keine schnelle Runde mehr. Meine Runde zu Beginn brachte mir aber trotzdem den 12. Rang. Mit der neuen Feder war ich sehr zufrieden und auch meine Runde war nicht schlecht. Allerdings wusste ich, dass das noch nicht alles war, was ich kann und so nahm ich mir für das zweite Quali fest vor, mir jetzt einen Startplatz unter den besten 10 zu sichern. Um das Maximum rauszuholen wechselten wir die Übersetzung, da ich den 6. Gang kaum nutzte. Als es ins Q2 ging, waren die Temperaturen schon sehr hoch. Ich kam zuerst nicht allzu gut zurecht und hatte erneut viel Verkehr. Dann wurde unsere Session abgebrochen. Als es wieder losging, gab ich alles, um noch eine schnelle Runde rauszuhauen. Nur hatte ich das Problem, dass ich erneut viel Verkehr hatte und kaum eine Runde durchziehen konnte. Ich ließ mich dann auch einmal zurückfallen, aber auch da lief ich dann wieder auf andere auf. Wenn ich einmal eine freie Runde hatte, wollte ich wohl etwas zu viel, denn ich kam aus jeder Kurve komplett im Drift raus, was, wenn man es übertreibt, nicht schnell ist. Ich war auch sehr oft knapp dran, zu stürzen und konnte so meinen Speed nicht durchbringen. So wurde ich bis auf den 16. Rang durchgereicht. Ich war bitter enttäuscht und musste am Sonntag von meiner schlechtesten Startposition in dieser Saison ins Rennen gehen. Wäre das schlechte Ergebnis nicht dagewesen, hätte ich das zweite Quali als „mega-geile Session“ bezeichnet, denn ich ließ mein Bike um die Strecke fliegen, wie fast noch nie zuvor! Ich kam erst einmal ein wenig runter, hakte anschließend das Qualifying ab und legte meinen Fokus auf die morgigen Rennen. Wir machten noch eine Data-Recording-Analyse und gingen mit der Übersetzung in die andere Richtung, da mir die Gänge nicht mehr so gut passten, wie zuvor.
Am Sonntag ging es um 11:50 Uhr los mit dem ersten Rennen. Schon als ich um halb 9 zu meiner Joggingrunde aufbrach war es sehr heiß und so ging es dann auch weiter. Ich wusste, dass ich einen guten Start erwischen muss, um noch unter die Top 10 zu fahren. Denn wenn ich einmal einen kleinen Rückstand habe, ist es wohl gelaufen. Bei sehr hohen Temperaturen rauchten auch die Köpfe in der Startaufstellung ein wenig und ich war etwas nervöser als sonst. Nichtsdestotrotz setzte ich meinen Plan gekonnt um. Ich hatte einen guten Start und spülte mich in den ersten Kurven bis auf die 11. Position vor. Am Ende der Gegengerade kam dann allerdings ein Konkurrent dermaßen eng auf die Schikane zugeflogen, dass ich wusste, wenn ich jetzt einlenke, räumt er uns alle ab. Also musste ich aufmachen und verlor einige Plätze. Anschließend übertrieb ich es in die letzte Schikane rein noch etwas und verlor erneut drei Plätze. Einen konnte ich mir schnell wiederholen, aber dann war nur mehr ein Konkurrent in Reichweite. Ich attackierte ihn mehrmals, konnte die Linie dann allerdings nie halten und er konnte mehrmals kontern. Ich konnte ihn am Ende nicht mehr überholen und kam, aufgrund von zwei Ausfällen vor mir, als 14. über die Ziellinie. Damit war ich nicht zufrieden und hoffte nun auf das zweite Rennen. Ich ging in der Pause mit Ken, Lennart und Mama noch kurz in das naheliegende Schwimmbad, um mich etwas abzukühlen, kam aber bald wieder, um mich auf den finalen Angriff vorzubereiten. Die Temperaturen waren nun schon auf über 30°C angestiegen. Diesmal war ich in der Startaufstellung weniger nervös, aber top motiviert! Dann passierte mir etwas, was mir selten passiert und der Super Gau für meinen Plan war. Ich vermasselte den Start dermaßen, dass mich mehrere Piloten überholten. Ich ließ die Kupplung zu schnell los und das Vorderrad ging mir mehrmals unkontrolliert hoch. Nun wusste ich, dass meine einzige Möglichkeit für ein gutes Resultat darin besteht, durch eine brutale erste Runde wieder den Anschluss an die Top 10 zu finden. So überholte ich, durch eine kompromisslose Fahrt durch die ersten Kurven, ca. 8 Mann und lag nach der ersten Runde auf Platz 12. In den folgenden Runden konnte ich mich noch um zwei Positionen vor kämpfen und lag auf Platz 10.  Der Rückstand auf den nächsten Fahrer war bereits sehr groß und so tat ich mein Bestmögliches, um mich von meinen Hintermännern abzusetzen. Was mir auch einigermaßen gelang. Nach ein paar Runden hatte ich eine Lücke von einer Sekunde aufgefahren und dachte mir nur: „Jetzt einfach so schnell wie möglich fahren!“ Dann passierte mir allerdings etwas, mit dem ich, nach meiner intensiven Vorbereitung auf die Saison und meinen Erfahrungen aus der Vergangenheit niemals gerechnet hätte: Mir ging total die Kraft aus! Fünf Runden vor Schluss hatte ich auf einmal extrem zu kämpfen, um mich auf dem Bike zu halten und am Limit zu fahren. Ich versuchte alles, was ich konnte, aber es schlichen sich zunehmend Fehler ein und ich konnte einfach keine schnellen Zeiten mehr fahren. So wurde ich bis auf die 14. Position durchgereicht. Aufgrund eines Sturzes vor mir, kam ich am Ende auf der 13 ins Ziel. In der Auslaufrunde wäre ich fast vom Motorrad gefallen und als ich im Parc Fermé ankam, war ich komplett am Ende. Ich fuhr sofort mit dem Roller zum Zelt und wollte mich einfach nur hinsetzen. Als ich auf der Fahrt realisierte, was mir eigentlich grade passiert ist (ich habe den neunten Rang hergeschenkt, weil ich zu wenig Kondition hatte, was ich den ganzen Winter über hart trainiert hatte), musste mein Brustpanzer bei der Ankunft am Zelt kurz dran glauben und wurde unsanft in die Ecke „gelegt“. Nachdem sich mein Puls wieder etwas normalisiert hatte und ich ca. einen Liter Wasser getrunken habe, sah ich die Situation wieder etwas distanzierter an.
Zolder ist zwar eine sehr anstrengende Strecke und es war sehr heiß, aber so war es nun mal für alle! Also werde ich jetzt wohl noch härter trainieren müssen und die Ergebnisse bei den nächsten Rennen wiedergutmachen. An der Fahrtechnik gibt es auch noch einiges zu tun, also habe ich die nächsten Tage viel Programm. Aber eins ist sicher: Ich werde nicht aufgeben, aus meinen Fehlern lernen und meine Schwächen zu meinen Stärken machen!
In Schleiz geht es weiter!

 

Jan #55

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Videolänge: 4:39 Minuten


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