Vom 21.-23. 3. 2016 fand für mich und das ganze Mohr-Racing Team der erste Test der Saison auf dem Autodromo dell‘ Umbria in Magione statt. Ich und Papa Martin reisten bereits am Samstagnachmittag an und genossen die 730 km mit großer Vorfreude. Unser Neuzuwachs...
... Mechaniker Michael Schneider (auch Micha, oder Michi genannt) traf bereits um ca. 15:00 Uhr an der Rennstrecke ein, wir brauchten bis etwa 22:00 Uhr und mussten in der ersten Nacht vor geschlossenen Toren nächtigen. Am Sonntagmorgen schien die Sonne und die Winterjacke konnte verstaut bleiben, was uns nach den weniger Frühlingshaften Temperaturen im schönen Vorarlberg schon fast wie Sommer vorkam. Wir trafen uns gleich mit Micha und platzierten unser Wohnmobil im Fahrerlager. Während wir darauf warteten, unsere Box beziehen zu können, sahen wir viele bekannte Gesichter aus der letzten Saison wieder, da der ADAC Junior Cup parallel zu unserem Renntraining sein Auftakttraining in Magione abhielt. Ich ging noch eine lockere Runde laufen, fachsimpelte etwas mit alten Konkurrenten und ging meinen Plan für den Testverlauf mehrmals durch. Um 16:30 Uhr bekamen wir endlich den Schlüssel für die Box Nummer drei und begannen sofort mit dem Ausladen. Nachdem wir alles aufgebaut hatten, wollte Micha das Tor zur Boxengasse öffnen und ein kurzer Schock war in unseren Gesichtern zu erkennen. Das Tor ging nicht auf. Das hieß für uns: „Umsiedeln in Box 4!“ Nachdem das erledigt war, sahen wir uns voller Enthusiasmus das erste MotoGP-Rennen der Saison an. Anschließend wurde das Motorrad noch fertig gemacht und die Hebel auf mich eingestellt. Papa schmiss noch den Grill an und danach verabschiedete ich mich und ging schlafen, um die Batterien voll aufzuladen.
Als ich am Montagmorgen aufstand und aus dem Fenster sah, war ich zuerst nicht allzu erfreut: „Es regnete“ (Der Montag sollte laut Wetterbericht der einzige trockene Tag sein). Ich brach zu meiner morgendlichen Joggingrunde um die Strecke auf und analysierte die Grip-Verhältnisse. Da es nicht wirklich nass war, aber auch nicht trocken, entschied ich mich dazu, den ersten Turn mit Straßenreifen zu fahren. Das war eine sehr rutschige Angelegenheit, was ich auch gleich in der zweiten Runde zu spüren bekam, wo ich fast durch einen heftigen Rutscher am Hinterrad abflog. Daraufhin rief mich mein Team sofort an die Box, um mir mitzuteilen, ich solle es mit diesen Reifen langsam angehen. Ich fuhr erneut raus und ging es „langsam an“. Nichtsdestotrotz war es ein super Gefühl, wieder einmal 120 PS unter dem Hintern zu haben! Anschließend trocknete es auf und ich konnte mit Trockenreifen rausfahren. „Jetzt ging der Spaß richtig los“. Ich kam sofort gut mit dem Bike zurecht und konnte mich Schritt für Schritt steigern. Vor dem letzten Turn des Tages traf unsere Fangemeinschaft ein. Mama Sabine mit Bekanntschaft aus Wien, sowie mein Bruder Ken und Cousin Lennart, die zuvor gemeinsam Urlaub in Florenz gemacht hatten. Auch das letzte Outing war super und ich konnte mich weiter steigern. Ich analysierte noch die letzte Fahrt, machte einen Plan für den nächsten Tag und wir genossen den Abend in guter Gesellschaft.
Am Dienstagmorgen brach ich mit Sonnenschein zum Frühsport auf und war diesmal in Begleitung von meiner Mutter, die sich die genaue Erklärung der Ideallinie bei einem Lauf um die 2,7 km lange Strecke nicht entgehen lassen wollte. Gleich im ersten Turn konnte ich meine Rundenzeit verbessern. Bis zur Mittagpause fiel die Bestzeit erneut und ich fühlte mich richtig wohl. In der Mittagspause wechselte Micha den Hinterreifen in einer Manier, die ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte (Ohne Mechaniker benötigten wir früher ca. 5x so lange). Ich konnte anschließend noch viermal auf die Strecke und optimierte meinen Fahrstil weiter. Ich war mittlerweile richtig im 600ccm-Geschehen angekommen und fühlte mich enorm gut auf der Yamaha. Im Laufe des Tages nahm der Wind stark zu und die Temperaturen sanken in unangenehme Bereiche. Dennoch hatten wir einen schönen Abend.
Am Mittwochmorgen war es erneut nass, aber diesmal mit starkem und kaltem Wind und gefühlten Temperaturen unter 5°C. Trotzdem brach ich, wieder in Begleitung, zur Joggingrunde auf, war allerdings sehr froh wieder in das warme Wohnmobil zurückzukehren. Vormittags konnte sich das Wetter wirklich nicht entscheiden! So regnete es immer wieder leicht und anschließend war es wieder eine halbe Stunde trocken. Wir wechselten zweimal zwischen Trocken- und Regenreifen hin und her, es war aber immer zu trocken für Regenreifen und zu feucht für Trockenreifen. So verbrachten wir die meiste Zeit im Wohnmobil, bzw. in der Box. Doch in der Mittagspause stoppte der Regen für einige Zeit und die Strecke trocknete auf. Wir zogen Trockenreifen auf und ich bereitete mich für den ersten Turn des Tages vor. Ich musste mich zuerst etwas mit den neuen Bedingungen vertraut machen. Da ich allerdings jedes Mal, als ich die Box verließ und auf das Motorrad stieg, halb erfroren bin, verspürte ich doch den Drang mich körperlich anzustrengen. So jagte ich die R6 gleich ordentlich um den Kurs. In den letzten beiden Fahrten verbesserte ich meine Rundenzeit zwar nicht mehr, fuhr aber aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse und eines abbauenden Hinterreifens am Limit. Das Bike rutschte mir aus den Ecken raus, das Hinterrad scherte beim Anbremsen aus, aber ich fühlte mich trotzdem wohl. So konnte ich mich auch mit dem Grenzberiech der Yamaha vertraut machen und spüren, wie es sich anfühlt wenn der Reifen abbaut. So beendete ich den letzten Testtag mit einem super Gefühl und viel Vorfreude auf die nächsten Kilometer auf dem Bike. Nach den letzten Analysen sprang ich noch unter die Dusche und wir räumten alles zusammen. Der Anhänger war beladen, die Box fast lehrgeräumt und uns war vor allem eines: Kalt! So retteten wir uns in eine Pizzeria, genossen den letzten Abend und verabschiedeten uns von der Fangemeinde aus Wien.
Ich und das ganze Team sind sehr zufrieden mit dem Verlauf des ersten Tests. Ich habe mich mit dem Bike schnell vertraut gemacht, eine schnelle Linie gefunden, den Grenzbereich ertastet, die Arbeit mit dem Team hat super funktioniert und wir hatten alle eine Menge Spaß! Ich habe auch weitere Potenziale ausfindig gemacht und weiß, woran ich arbeiten muss. Das Motorrad wird auch noch etwas modifiziert und designt. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber wir sind auf dem richtigen Weg und ich kann das erste Rennen am Lausitzring kaum erwarten!
Jan #55
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Videolänge: 04:23 Minuten
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