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Die letzten Wochen waren spannender als ich sie geplant hatte, so viel steht fest. Vor etwa einem Monat sprach ich mit...

 ... meinen bulgarischen Mechanikern am Telefon und sie erzählten mir von einem Rennen der Balkan Road Racing Meisterschaft in Griechenland. Sie luden mich ein, zu ihnen nach Sofia zu fliegen und anschließend an diesem Rennen teilzunehmen. Ein Freund von ihnen stellte mir seine Kawasaki ZX-10R von 2013 zur Verfügung und alle waren gespannt darauf, was ich mit diesem Bike abliefern kann.

BMU Serres (Griechenland)

24 Stunden von Le Mans 1

Also flog ich am Dienstag, dem 05. April nach Sofia, traf meine Crew zum ersten Mal seit Oktober 2021 und wir machten uns gleich auf den Weg nach Griechenland. Mittwoch und Donnerstag machte ich mich mit Bike und Strecke vertraut. Ich hatte ehrlich gesagt ein sehr mieses Gefühl auf dem Bike, aber dennoch waren wir schnell unterwegs. Ich lernte viele großartige Leute kennen und wir genossen die Testtage bei tollem Wetter und unfassbar gutem Essen. Am Freitag startete die Veranstaltung offiziell und ich fuhr in den Trainings bereits die Bestzeit. Im letzten freien Training am Freitagabend stürzte mein Hauptkonkurrent Martin Choy und brach sich dabei die Hand. Noch am selben Abend bekam ich einen Anruf des französischen Teams „Energie Endurance 91" welches mit Martin in der folgenden Woche die 24 Stunden von Le Mans bestreiten wollte. Ich saß gerade im Restaurant, ging kurz vor die Tür, tätigte ein paar Anrufe und nach 15 Minuten waren wir uns einig. Somit stand mein erster WM-Einsatz unmittelbar bevor. Ich buchte meinen Flug um, kümmerte mich um die Organisation und war bereit für diese Herausforderung. An den folgenden zwei Tagen sicherten wir uns die Pole Position und gewannen beide Rennen mit einem komfortablen Vorsprung. Nach dem zweiten Lauf hatte ich nur noch Zeit, schnell unter die Dusche zu springen und dann ging es ab zum Flughafen.

 

Mein erster Start in der Weltmeisterschaft bei den 24 Stunden von Le Mans

24 Stunden von Le Mans 2

Am Montagmorgen packte ich all meine Sachen, ging einkaufen und holte meinen Kumpel Jan ab, der sehr spontan all seine Termine absagte, um mich zu unterstützen. Knapp 1000km waren es bis Le Mans, so kamen wir erst um 23:00 Uhr an. Am Dienstagmorgen lernte ich das Team kennen. Die Mechaniker erklärten mir die wichtigsten Details am Bike und meine Teamkollegen Pawel Szkopek (POL) und Christian Napoli (ITA) erklärten mir die Strecke. Um 09:00 Uhr starteten wir in das erste Training. Ich machte mich mit Bike und Strecke vertraut und hatte von Beginn an ein gutes Gefühl. Am Nachmittag konnte ich ein paar Runden im Regen abspulen, was auch gut funktionierte. Am Mittwoch war Ruhetag. Wir gingen um die Strecke, sahen uns das Gelände an und machten den technical check. Am Donnerstag stand erneut ein freies Training, ein Qualifying und das Nachttraining an. Im Quali stürzte unser erster Fahrer und danach hatten wir Probleme mit dem Bike. Daher fuhr ich lediglich eine Runde. Im Nachttraining konnte ich mich an das Fahren bei Dunkelheit gewöhnen, was auf gut Deutsch „einfach nur unfassbar geil ist". Am Freitagvormittag im zweiten Quali konnte ich mich deutlich steigern und beendete die Session auf Rang 23 von 52. Da in der Langstrecken Weltmeisterschaft das Mittel aller drei Fahrer als Quaifikationszeit gilt, starteten wir das Rennen von Rang 31 / 19 in unserer „Stock Klasse" (Stärker reglementierte Motorräder, Einheitsreifen, usw.). Ich hatte mir mehr erhofft, aber da ich über eine Sekunde schneller fuhr als meine Teamkollegen, wusste ich, dass es nicht so verkehrt sein konnte.

Das Rennen:

In der Nacht von Freitag auf Samstag schlief ich extrem schlecht. Als ich am Morgen aufwachte, fühlte ich mich zudem noch krank. Wahrscheinlich hatte mich Jan angesteckt, der schon die ganze Woche eine Erkältung mit sich rumschleppte. Egal, ich sagte es niemandem und zog es einfach durch. Das Team wollte, dass ich den Start mache und das ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Die Stimmung im Grid war unglaublich. Volle Tribünen, Anspannung in der Luft und die Franzosen drehten komplett durch bei der Nationalhymne. Mit dem Schwenken der französischen Flagge wurde das Rennen um 15:00 Uhr gestartet und alle Fahrer sprinteten zu ihren Bikes. Es gab sofort einen heftigen Crash und nach weniger als einer Runde fuhr das Safety Car raus. Anschließend ging das

Rennen richtig los. Ich fuhr kontrolliert und ohne Risiko, überholte ein paar Fahrer und beendete den ersten Stint nach etwa einer Stunde. Ich übergab an Christian, dieser an Pawel und dann war wieder ich an der Reihe. In meinem zweiten Stint im Sonnenuntergang fuhr ich die schnellste Rennrunde unseres Teams und wir waren weiterhin auf dem Vormarsch. Der Ablauf blieb immer gleich: Runter vom Bike, raus aus dem Leder, essen, trinken, kurz entspannen, zurück in die Box, schnell auf die Massagebank, rein ins Leder und rauf auf's Bike! Bis um ca. 04:00 Uhr Früh war alles recht entspannt.

24 Stunden von Le Mans 3
24 Stunden von Le Mans 4

Dann kam die Müdigkeit hoch und die Schmerzen wurden immer stärker. Ich legte mich in den Pausen immer kurz hin, aber schlafen konnte ich maximal 5 Minuten, danach musste mich Jan aufwecken und wieder motivieren. Als die Sonne wieder aufging, lagen wir bereits auf Rang 20. Wir machten unseren Job fehlerfrei und holten weiterhin auf. Gegen Mittag wurde es richtig zäh. Komplett übermüdet, mit Schmerzen von Kopf bis Fuß humpelten wir immer und immer wieder auf die Kawasaki. Doch wir blieben konstant und fehlerfrei. Um 14:30 Uhr stieg ich zum letzten Mal auf und beendete das Rennen um 15:00 Uhr. Das Team freute sich fast so sehr über das Ergebnis, wie ich mich freute, endlich abzusteigen. Was für ein Rennen! Extrembelastung für Mensch und Maschine. Wir haben alles richtig gemacht, leisteten uns keine Fehler und fuhren auf Rang 16 von 52 ins Ziel (9. In der Stock Klasse). Anschließend feierten wir mit dem ganzen Team und glaubt mir, ich habe noch nie so gut geschlafen wie in dieser Nacht.

Es war eine fantastische Erfahrung und definitiv eine gute Empfehlung für weitere Starts in der Langstrecken Weltmeisterschaft. Ich möchte dem ganzen Energie Endurance 91 Team danken, denn sie haben wirklich großartige Arbeit geleistet, genauso wie meinem Kumpel Jan, der sich um alles gekümmert hat und ohne den ich das niemals geschafft hätte. DANKE!

Jetzt heißt es regenerieren und dann voller Fokus auf den IDM Auftakt in zwei Wochen auf dem Lausitzring.

Schöne Grüße!

24 Stunden von Le Mans 5

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